Seiten

Freitag, 9. September 2011

Dem Dialogprozess auf die Finger geschaut

Welche Worte kommen im Rahmen des angelaufenen Dialogprozesses merkwürdig selten vor?
Gerade bei den Themen Sexualität, Wiederverheiratet-Geschiedene fehlen Worte wie "Wahrheit" und "Sünde". Der Lehre der Kirche nach gilt praktizierte Homosexualität als widernatürliche Unzucht und dementsprechend als schwere Sünde. Ist das wahr, dann kann und darf man dies um des (ewigen) Heils der Seelen und um der Liebe zu ihnen willen nicht verschweigen. Den Gegner dieser Auffassung geht es um eine Praxis der Liebe, die doch akzeptiert werden sollte. Ist die homosexuelle Praxis also ein legitimer Ausdruck von Liebe oder eine schwere Sünde? Ich denke, es muss im Dialogprozess vor allem darum gehen, was die Wahrheit ist, schließlich hängt das Heil der Seelen daran! Aber möglicherweise rechnen die Vertreter der obigen zweiten Position mit einer irgendwie gearteten Allerlösung, wo Gott sowieso den Mantel der Barmherzigkeit über alles (!) ausbreitet.

Interessanterweise wird beim Thema Wiederverheiratet-Geschiedene praktisch nie thematisiert, warum die Geschiedenen überhaupt eine neue "Ehe" eingehen. Es wird selten zu Worte gebracht, dass hier die eigentlich ungeordnete Situation eintritt, das Wort "Sünde" wegen des Ehebruchs (falls die Ehe gültig war) beharrlich verschwiegen. Geschiedene Menschen sind nach dem Scheitern der Ehe nicht genötigt, noch einmal heiraten zu müssen. Werden Menschen, die wieder heiraten wollen, vor ihrem ungeordneten Vorhaben gewarnt, ja, dass sie eventuell ihr Heil gefährden? Wenn aber eine zweite Ehe vor Gott ganz in Ordnung ist, wenn die Worte Jesu zur Unauflöslichkeit der Ehe relativierbar sind und nicht ernst genommen werden müssen, dann erübrigen sich meine Zeilen.
Selbstverständlich gilt Gottes Barmherzigkeit allen Menschen, auch den Wiederverheiratet-Geschiedenen. Aber als Mensch kann ich Gottes Barmherzigkeit nur dann empfangen, wenn ich ehrlich umkehre und mich in Gottes Ordnung stelle. Jesus hat gesagt: Kehrt um! Und nicht "Bleibt, wo ihr seid!"

Mag sein, dass diese Worte etwas hart klingen. Aber ich merke, wie dieser Dialogprozess eine Tendenz in sich birgt, dass scheinbar alles Mögliche in der Kirche geht. Warum sollen Menschen sich noch um Treue und Heiligkeit bemühen, wenn dies angesichts der allerlösenden Barmherzigkeit Gottes gar nicht nötig zu sein scheint?

Kommentare:

  1. Falls Sie verheiratet sind, wünsche ich Ihnen, dass sich Ihr Ehepartner von Ihnen trennt, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass Sie die Ehe fortführen wollen und alles dafür tun würden, um eine Scheidung zu vermeiden. Und wenn Ihr Ehepartner dann trotz all Ihrer Eherettungsbemühungen die Scheidung einreicht und Sie nach einem Jahr der Trennung geschieden sind, ohne dass Sie das wollen, dann wird Ihnen vielleicht dämmern, wie leicht es ist, in eine Scheidung schlittern, ohne dass man das will! Wenn Sie sich bewusst werden, was Ihnen Ihr früherer "Partner" angetan hat, dann wird Ihre Liebe zu diesem Partner irgendwann verblassen. Falls Sie noch halbwegs jung sind könnte es Ihnen passieren, dass Sie sich erneut verlieben. Was dann? Würde Ihnen Jesus wohl raten, auf die neue Liebe zu verzichten und darauf zu warten, dass Ihr erster Partner zu Ihnen zurück kommt (was weder Sie noch Ihr erster Partner wirklich wollen)?
    Und dann wünsche ich Ihnen einen Geistlichen, der Sie als Sünder ansieht und Ihnen den Empfang der Heiligen Kommunion verweigert!

    AntwortenLöschen
  2. Sollten Sie die in Wunschform erzählten Aspekte tatsächlich selbst erlebt haben, tut es mir leid! Falls sich meine Ehefrau von mir scheiden lassen würde, bliebe für mich nichts anderes übrig, als alleine zu bleiben! Und dies gerade deshalb, weil Jesus die vor Gott verbundene Ehe als unauflöslich erklärt hat. Natürlich kann es passieren, dass man sich verliebt, das geht ja auch schon während der Ehe. Aber die Frage ist doch die, ob ich mich an das Sakrament der Ehe, an das Versprechen auch Gott gegenüber gebunden weiß oder nicht, ob ein gegenteiliges Handeln ein Abstand-Nehmen zu Gott ist oder nicht. Ich meine, dass es doch möglich sein muss, offen darüber zu sprechen, ohne gleich Verurteilungen und weiteres befürchten zu müssen. Mir geht es bei der ganzen Diskussion um die Wahrheit in der Sache. Wenn Jesus tatsächlich dazu raten würde, auf die neue Liebe nicht zu verzichten, dann wäre ja alles in Ordnung, aber er würde sich selber widersprechen, wenn er zuvor die Ehe als unauflöslich bezeichnet hat. Was ist nun Gottes Wille?
    Die Kommunion darf ich selber natürlich auch nicht empfangen, wenn ich im Streit mit meinem Bruder in die hl. Messe gehe, ohne dass mir ein Geistlicher die Kommunion verweigern würde. Die Frage ist doch die: Ist es objektiv richtig zur Kommunion zu gehen, wenn ich zwar mit der ersten Frau noch kirchlicherweise verheiratet bin, aber mit einer neuen Frau zusammen lebe? Wenn es objektiv in Ordnung ist, dann steht einer Kommunion nichts im Wege, aber wenn es doch im Widerspruch zu Gott steht?
    Ich wünsche Ihnen Gottes Segen!

    AntwortenLöschen
  3. @Anonym
    "Wenn Sie sich bewusst werden, was Ihnen Ihr früherer "Partner" angetan hat, dann wird Ihre Liebe zu diesem Partner irgendwann verblassen."

    Verblassen wird vielleicht die Verliebtheit. Die Liebe aber, die man bei der christlichen Ehe versprochen hat, wird bleiben, denn "die Liebe hört nie auf, sie lässt sich nicht erzürnen, sie trägt das Böse nicht nach. Sie duldet alles, und sie erträgt alles" (1.Kor 13,4ff) - sonst ist es keine echte Liebe. Auch wenn die Verliebtheit erloschen ist, so wird ein Christ seinen Ehepartner, auch wenn dieser sich verabschiedet haben sollte, weiter lieben im christlichen Sinne und für sein Seelenheil beten.
    Es ist schwer zu vergeben aber wir Christen sind dazu aufgerufen. Einfacher wird es, je mehr man die Gemeinschaft Christi sucht und eine festere Beziehung zu IHM aufbaut.

    "Würde Ihnen Jesus wohl raten, auf die neue Liebe zu verzichten und darauf zu warten, dass Ihr erster Partner zu Ihnen zurück kommt"? Ja, ohne Einschränkung, das würde er raten. So wie Gott seinem Volk treu ist (obwohl es immer wieder die Treue gebrochen hat und erst wieder umkehren musste) sollen die christlichen Eheleute einander treu sein. Und so wie Christus die Kirche liebt und ihr immer untrennbar verbunden ist, so sind auch die christlichen Eheleute miteinander verbunden.

    Gottes Segen und Frieden

    AntwortenLöschen